Besinnliche Weihnachtsgeschichte

Weihnachten und Advent - Kategorie: Besinnliche Weihnachtsgeschichte

Weihnachten und die Adventszeit sind nicht nur ruhige und besinnliche Zeiten, sondern es ist auch die Zeit des Nachdenkens.
Auf dieser Seite veröffentlichen wir für Sie eine besinnliche Weihnachtsgeschichte, die Besucher unserer Seiten uns kostenlos zur Verfügung gestellt haben.
Sie haben die Möglichkeit die besinnlichen Weihnachtsgeschichten kostenlos herunter zuladen und auszudrucken.
Gerne können Sie uns auch Ihre besinnliche Weihnachtsgeschichte per E-Mail zusenden.

 

Diese besinnliche Weihnachtsgeschichte, die zwar frei erfunden ist, aber so oder ähnlich irgendwo in einer deutschen Stadt sich so zugetragen haben kann. Diese schöne Weihnachtsgeschichte hat uns Herr Manfred S. Mika zugesandt, bei Ihm möchten wir uns recht herzlich bedanken.
Wir wünschen Ihnen eine ruhige und besinnliche Adventszeit, ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr, und hoffen das Sie auf unseren Seiten einige Anregungen finden um Ihr Weihnachtsfest zu verschönern.

Weihnachten wird doch noch schön!

Die Dämmerung ging schon fast in die vorabendliche Dunkelheit über, als die etwas gebeugt gehende Frau
das 4-geschossige Wohnhaus erreichte. Der Bewegungsmelder schaltete das Licht ein und
die 2 ausgetretenen Stufen vor der Haustür wurden sichtbar.
Langsam, Fuß vor Fuß setzend, stieg die Frau die beiden Stufen herauf. Sie war heute übervorsichtig,
denn vor 3 Wochen war sie ausgerutscht und gestürzt. Den Fuß hatte sie sich nur verstaucht und
Gott sei Dank nicht gebrochen. Glück gehabt. Sie kramte in ihrer Manteltasche nach dem Schlüssel.
Ehe sie diesen finden konnte, wurde die Tür von innen geöffnet und im Gegenlicht des
Treppenhauslichtes stand vor ihr ein breitschulteriger Schatten. Erschrocken blieb sie stehen,
doch dann erkannte sie schnell ihren Nachbarn, den Herrn Niemeier. Also kein Grund zur Sorge.
"Guten Abend, Frau Kraschewski" tönte es ihr entgegen. "Wie geht’s Ihnen? Alles in Ordnung?" 
Herr Niemeier hielt ihr die Tür auf. "Ist ja bald Weihnachten. Schon alle Geschenke besorgt?"
Else Kraschewski hatte mit so einem Wortschwall nicht gerechnet. "Ja, ja, es geht" hauchte sie,
"alles in Ordnung!"

Mit einem "Na, dann mal schönen Abend noch" trat Herr Niemeier einen Schritt zur Seite. Else schob sich
an ihm vorbei und griff nach dem Treppengeländer. Während sie die Stufen zu ihrer im 2. Stock
liegenden Wohnung langsam empor schritt, hielt sie sich mit der rechten Hand am Treppengeländer fest.
In der linken baumelte eine Jutetasche, deren Inhalt bei manchem Schritt leicht knisterte.
Es war die Zellophan-Verpackung eines kleinen Christstollens. Else war auf dem Heimweg von einer
kleinen vorweihnachtlichen Feier bei der Caritas. Dort hatte sie einen schönen Nachmittag bei Kaffee
und Kuchen verbracht. Und zum Abschluss hatten alle Besucher ein paar Naschereien geschenkt bekommen.
Else war dankbar für solche Stunden. Seit dem Tod ihres Mannes vor über 4 Jahren lebte sie allein.
Ihre beiden Kinder, Wolfgang und Ute, waren längst erwachsen und außer Haus. Wolfgang hatte
nach der Lehre sein Fach-Abi gemacht und BWL studiert. Inzwischen hatte er einen tollen Job bei
AUDI in Ingolstadt. Weit weg also und nicht mal so eben um die Ecke. Und Ute? Sie war beim WDR in Köln
als Redakteurin untergekommen und stand ständig unter Dampf.
Besuche waren in den letzten Jahren seltener geworden. Anrufe? Ja, schon, aber was konnte man
sich da schon groß erzählen? Allein zu sein hatte Else akzeptieren müssen, aber daran gewöhnen?
Es fiel ihr immer noch schwer, ohne Unterhaltung abends vor dem Fernseher zu sitzen.
Auch wenn Paul während des Programms oft eingeschlafen war - er war halt da gewesen.
Else hatte in Gedanken versunken ihre Wohnung im 2. Stock rechts erreicht. Durch die  links
gelegene Wohnungstür der Niemeiers drang Bratengeruch. Sicher wurden dort die letzten Vorbereitungen
für die Feiertage getroffen, wenn Besuch kam und man sich beim Mittagessen und später bei Kaffee
und Kuchen, vielleicht auch bei einem Glas Wein unterhielt. 

Während Else ihre Wohnungstür aufschloss, musste sie daran denken, dass sie dieses Jahr zu
Weihnachten gänzlich allein sein würde. Wolfgang war seit Anfang November für seine Firma in Shanghai
und würde erst im Februar zurück sein. "Tut mir leid, Mama, aber es geht nicht anders.
Wenn ich zurückkomme, mache ich ein paar freie Tage und komme sofort zu dir. Ich rufe dich zu
Weihnachten an. Ich hab´ dich lieb", hatte er am Telefon erklärt. Tja, da konnte man nichts machen.
Und vor einer Woche hatte sich Ute gemeldet. "Mutti, stell dir vor, ich habe einen Auftrag vom Sender.
Ich soll zu Weihnachten aus Paris berichten. So einen Bericht über all´ das, wie die Franzosen
Weihnachten verleben. Ist das nicht toll? Leider kann ich dann nicht bei dir sein,
aber das verstehst du doch, oder?"

"Ja, sicher, toll, fahr nur - und schreib mal aus Paris eine Weihnachtskarte.”

Weihnachten also auch allein. Else war deprimiert, wenn sie an die bevorstehenden Tage dachte.
Sonst hatte sie immer für die Kinder gekocht und gebacken. Für Wolfgang einen Rheinischen Sauerbraten
mit Knödel, was er so gerne mochte. Und für Ute gab es als Nachtisch immer eine Rotweincreme.
"Einmal im Jahr darf ich das", ließ sie jedes Jahr verlauten. Denn ansonsten kämpfte sie gegen jede Kalorie,
die ihre Bikinifigur angreifen könnte.

Else griff in die auf dem Küchentisch abgelegte Jutetasche. Mal sehen, was alles hineingepackt worden war.
Ein Apfel, eine Apfelsine, eine 5er-Packung MonCherie - prima, das war nach ihrem Geschmack - und ein
kleiner Christstollen. Na, da brauchte sie wenigstens nicht zu backen, denn nur für sich allein,
das machte auch keinen Spaß.  

Aus dem Hinterhof waren plötzlich laute Stimmen zu hören. Else ging zum Fenster. Unten standen im
grellen Scheinwerferlicht ihrer Autos Niemeier und Kleinschmidt, ihre Nachbarn. Niemeier war von
nebenan, Kleinschmidt aus dem 1. Stock. Kleinschmidt hatte aus seinem Kofferraum bereits
eine stattliche Tanne heraus gewuchtet und vor Niemeier hingestellt.

"Nordmanntanne,  45  EURO" klang es herauf. "Wahnsinn", hörte man Niemeier. "Die nehmen es
von der Lebendigen!" "Von den Toten bekommen sie´s auch nicht mehr, ha,ha,ha," konnte sich
Kleinschmidt nicht verkneifen zu rufen.

Ach, ja, einen Weihnachtsbaum, dachte Else. Der fehlt ihr ja auch noch. Aber  45 EURO?  Das konnte sich
Else mit ihrer kleinen Rente ohnehin nicht erlauben. 10 EURO vielleicht, höchstens 15 EURO,
mehr war nicht drin. Aber woher bekommen und wie hier hinauf? Seit sie Witwe war, hatte sich
Wolfgang darum gekümmert. Aber in diesem Jahr? Else mochte nicht daran denken. Und um nicht
allzu viel Trübsinn zu blasen, machte sie den Fernseher an. Auf Bayern 3 kommt gleich ein Heimatfilm.
Schön. Schnell noch ein Schnittchen, eine Tasse Tee -  und der Abend konnte kommen.

Am nächsten Morgen klingelt es. Der Briefträger steht vor der Tür. "Ein Paket für Sie." Von wem? 
Absender: Ute Kraschewski.  ERST ZU WEIHNACHTEN ÖFFNEN - steht in großen Druckbuchstaben auf
allen Seiten. Der Briefträger schellt auch nebenan bei Niemeier. Die Tür öffnet sich und Frau Niemeier
schaut heraus, die Lockenwickler noch in den Haaren. "Guten Morgen, Frau Kraschewski.
Ach, haben Sie ein Paket bekommen?"

Neugierig ist sie ja nicht, denkt Else. "Von meiner Tochter", sagt sie laut, "sie ist über Weihnachten in Paris
und kann nicht kommen." "Schade, aber der Wolfgang, der kommt doch sicher?" "Nein, auch nicht, der ist
über Weihnachten beruflich in China" quält es sich mühsam aus Else hervor und sie kann nicht
verhindern, dass ihre Augen feucht werden. Frau Niemeier merkt, dass sie da wohl eine wunde Stelle
bei Else berührt hat. "Aber sonst ist alles in Ordnung? Haben Sie denn schon einen Tannenbaum?" 
"Hab´ ich auch noch nicht, und ich weiß nicht …"    
Jetzt wird es Frau Niemeier doch etwas zu dumm. "Wissen sie was, ich sag´ mal Willi Bescheid, der
kümmert sich mal darum. Warten Sie mal einen Moment." Sprachs, drehte sich um und rief: "Williii!" 
"Was is` los?" tönt es aus der Wohnungstiefe zurück. "Komm` mal her!"  Willi Niemeier taucht
Augenblicke später auf. "Du, die Frau Kraschewski ihre Kinder kommen nicht, einen Baum hat sie auch
noch nicht und sie weiß auch nicht, wie sie einen kriegen soll. Mach mal was!" Willi stutzt erst, dann wirft
er sich in Positur und tönt sonor:  "Also, Frau Kraschewski, dann ziehen sie sich mal warm an.
In einer Viertelstunde hole ich sie ab und wir besorgen eine Tanne. Wäre doch gelacht, wenn wir das
nicht hinkriegen würden." Else guckt ein wenig ungläubig und steht unentschlossen in ihrer
Wohnungstür. "Nun machen sie mal, der Willi wartet nicht gerne", lässt Frau Niemeier sich hören.
"Husch, husch", schieb sie noch hinterher und macht dazu eine entsprechende Handbewegung.
So massiv in die Pflicht genommen kann Else gar nicht anders. Schnell die Schuhe an - wo ist denn nur
wieder der Schuhanzieher? - , den Mantel übergestreift und schon klingelt es auch schon.
"Fertig? Können wir?"

Herr Niemeier scheint keine Zeit verlieren zu wollen und läuft fast im Eilzugtempo die Treppe hinunter.
Als er merkt, wie vorsichtig Else die Treppenstufen herunter geht, kommt er einen Absatz wieder hinauf
und reicht ihr den Arm. "Immer schön langsam, wir wollen doch Weihnachten heil erleben", lässt er von
sich hören und scheint nun plötzlich Zeit ohne Ende zu haben.

Niemeier hält Else die Autotür auf - mein Gott, wie lange ist es her, dass ich mit einem Auto
gefahren bin, denkt sich Else - und kurz darauf lenkt Niemeier seinen Passat durch den dichten Verkehr.
Heute scheinen noch viele andere unterwegs zu sein, um noch letzte Einkäufe zu machen. Nur langsam
kommt zwischen den Beiden ein Gespräch zu Stande, denn so gut kennen sie sich auch nicht und
altersmäßig könnte Niemeier fast ihr Sohn sein. Na ja, fast, denn dann hätte sie schon sehr früh
Mutter werden müssen. Jedenfalls gibt ein Wort das andere und so ganz allmählich redet sich Else ihr Leid
von der Seele. Der Sohn kann nicht kommen, die Tochter auch nicht, dass sie über Weihnachten ganz allein
ist und ihr Mann ihr immer noch sehr fehlt. Willi ist in den letzten Minuten ruhig und ruhiger geworden.
Das hat er nicht gewusst, er kümmert sich eben nicht um seine Nachbarn. Soll eben jeder sehen,
wie er zu Recht kommt. Doch was er jetzt hört, macht ihn nachdenklich.

Bald sind sie am Einkaufszentrum angekommen und auf dem Parkplatz ist ein größerer Bereich für
einen Weihnachtsbaumhändler abgeteilt. Obwohl es nur noch ein Tag bis zum Heiligen Abend ist,
stehen noch eine Menge Bäume herum. "Was darf´s denn sein? Ein großer Baum? Zwei Meter hoch?
Weil Sie es sind: Jeder Baum zwei Meter und höher heute nur 40 Euro!"  Else schüttelt leicht den Kopf. 
40  Euro  sind für ihre Verhältnisse viel zu viel. Und einen Zwei-Meter-Baum braucht sie auch nicht.
So viel Platz hat sie gar nicht. "Na gut," meint der Händler, "bis ein Meter 20 Euro, bis Einsfünfzig
25 Euro." Nun mischt sich Niemeier ein. "Pass mal auf, mein Lieber. Das hier ist eine arme Witwe.
Und morgen Abend kannste dein Kram hier ohnehin schreddern. Hier ist ein Baum, etwas mehr
als ´nen  Meter. 15 Euro dafür, alles  klar?"

Der Händler bekommt eine ungesund rote Gesichtsfarbe, holt tief Luft und dreht sich dann um.
10 Sekunden später eine erneute Drehung. "In Ordnung, jeden Tag eine gute Tat. Das ist meine für heute."
Else zückt ihre Geldbörse und zählt 15  Euro hin. Kurz darauf ist der Baum eingenetzt und Willi hat
ihn am langen Arm.

Auf dem Weg zum Auto kommen beide an einem Glühweinstand vorbei. Else gibt sich eine Ruck:
"Kommen Sie, ich gebe für uns beide noch einen Glühwein aus. Sie mit Schuss?"  "Nichts da", erklärt Willi,
"das geht auf meine Rechnung. Das alles ist meine gute Tat. Was der olle Händler kann, kann ich schon lange."

Tja, da stehen unsere beiden Nachbarn also nun, in den Händen einen heißen Glühwein und müssen pusten
und dann doch noch warten, bis sie das erste Schlückchen schlürfen können. Willi schaut erst so in der
Ferne, dann auf seine Füße und dann kommt es etwas zögerlich: "Sagen Sie mal, Frau Kraschewski,
Sie sind doch Weihnachten allein. Am ersten Feiertag sind unsere Kinder auf Tour,
die mögen solch` Gefühlskram nicht. Nur meine Mutter kommt am Nachmittag zu Besuch.
Kommen Sie doch auch rüber. Kaffee ist satt da und Kuchen haben wir auch jede Menge.
Und meine Mutter bringt wahrscheinlich auch noch einen mit."

"Nein, ich weiß nicht. Und Ihre Frau - ob der das überhaupt recht ist?" Else fühlt sich ein wenig überrumpelt.
Auf keinen Fall will sie sich in etwas hinziehen lassen mit der Möglichkeit, zur Last zu fallen.
Nein, das will sie nicht.

"Quatsch, meine Frau. Die ist froh, nicht mit mir und meiner Mutter wieder allein zu sein und freut
sich sicherlich, wenn für meine Mutter mal etwas im gleichen Alter dabei ist." Und nach einer kurzen Pause:
"Oh, Entschuldigung, das mit dem Alter, das war nicht so gemeint."

Inzwischen ist der Glühwein nicht mehr am Glühen und die beiden schlürfen nun Schluck für Schluck.
Dann heißt es für Willi wieder: Baum tragen. Es sind nur noch wenige Meter bis zum Auto, und nach einer
guten Viertelstunde sind sie zu Hause angekommen.

"Den Baum lege ich erst mal in den Keller. Morgen stiele ich ihn ein und stelle ihn bei Ihnen auf." 
"Das ist aber nett von Ihnen, ich weiß gar nicht, wie ich mich bedanken soll," kommt es leise über die Lippen
von Else.
"Ach, papperlapapp, und denken Sie daran: am ersten Weihnachtstag bei uns." 
"Ich überleg´s mir!" sagt Else und ist sich schon fast sicher, hin zu gehen.

                                          Weihnachten wird doch noch schön. 
                                                    
Von Manfred S. Mika

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Viel Spaß beim Lesen diesen schönen Weihnachtsgeschichte.
Wir hoffen, dass Sie Interessantes und Lustiges, Ideen und Anregungen zu Weihnachten und Advent auf unseren Seiten finden konnten.

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